Überall UX / UI – was machen die eigentlich?

UX, UI, U-what?!

Wenn man heutzutage einen Blick auf das Profil einer Digitalagentur, den Stellenmarkt in der IT oder die Hard Skills eines Designers wirft, dann läuft uns in neun von zehn Fällen der Begriff UX Design über den Weg. UX, also irgendwas mit User Experience. Und Gestaltung. Okay, soweit so gut. Aber dann steht da auch immer dieses UI. Und was ist jetzt eigentlich Konzeption? Eine Suche bei Stepstone schlägt mir mehrere Begriffe vor:

  • UX Designer
  • UX/UI Designer
  • UI Designer
  • UX Researcher
  • UX Consultant
  • UX Manager
  • Product Designer
  • Product Manager

So weit, so unübersichtlich. Was steckt nun eigentlich dahinter? Wie definieren wir UX und UI Design und wie etablieren wir das Ganze in unseren Arbeitsalltag?

Zahlen, Daten, Fakten

Jeder Benutzer eines digitalen Produktes hat ein Ziel. Dieses sollte leicht und ohne Stolpersteine erreicht werden können. Ob bei einer Bestellung im Lieblings-Onlineshop oder auf der Suche nach einer Telefonnummer des Kundenservices. Ob bei Bedienung seines Warenwirtschaftsystems oder dem Ausfüllen seiner digitalen Steuererklärung. Die Bedürfnisse der Nutzer sind vielfältig und stehen im Vordergrund. Er soll die Website, Plattform, Software (fortlaufend “das Produkt” genannt) intuitiv benutzen können und sein gelerntes Verhalten in der Verwendung und Gestaltung wiederfinden. Das verschafft dem User ein gutes Gefühl und Vertrauen.

Bei dem User Experience Design, also der Gestaltung der Nutzererfahrung schauen wir also durch die Kundenbrille, ermitteln die Bedürfnisse und Wünsche des Users, sowie die Probleme, auf die er stößt oder von denen er sich gehindert fühlt. Dieser erste Schritt der Analyse ist Kernbestandteil eines Designprozesses und kann in jede Form des Arbeitsprozesses (Scrum, Kanban, Wasserfall usw.) implementiert werden. Auf Basis der ermittelten Daten durch bspw. Interviews, Design Thinking-Methoden und Tracking-Analysen werden zunächst qualitative Motivatoren und Ängste oder Probleme gesammelt und als Personas definiert. Zu diesen Personas werden nun passende Szenarien erstellt, die in der Agenturwelt auch als User Journeys bezeichnet werden. Durch Methoden der quantitativen Forschung werden diese Szenarien und Zielgruppen validiert und geschärft. Auf diese Weise schaffen wir es, eine auf den Nutzer zugeschnittene und passgenaue Journey zu konzipieren. Eine Journey, in dem der Kunde sich abgeholt fühlt und intuitiv sein Ziel erreicht.

So wird aus einem unübersichtlichen Layout....ein zielführendes, leicht zugängliches Design.

Die User Experience besteht aus drei Komponenten: Usability (die Benutzbarkeit), die Funktionalitätund die Freude (Joy of Use). Der User soll ein positives Erlebnis mit dem Produkt verknüpfen, sich verstanden und nicht mit einem Problem konfrontiert fühlen. User Centered Design, also ein Design, in dem der Nutzer im Mittelpunkt steht, permanent die Kontrolle hat und bestimmt was als nächstes passiert, ist hier das Stichwort. Und dieses Design wird mit den Informationen der Nutzerforschung konzipiert. Die Auswahl der entsprechenden Methoden ist dabei abhhängig von der Art des Projektes selbst (ist es ein gänzlich neues Produkt oder die Weiterentwicklung eines bestehenden?). Die Anforderungen an das Produkt werden mit Hilfe der Analyseergebnisse spezifiziert und als als User Stories festgehalten. Du siehst schon:

Design sind nicht einfach Schöne, bunte Bilder

Die Annahme stammt noch aus Zeiten der Printmedien und hat nur noch wenig mit dem zu tun, was ein UX/UI Designer heutezutage erarbeitet. Mit den User Stories und entsprechenden Journeys werden nun Wireframes gebaut, welche grundlegend die Anordnung der Elemente einer Seite darstellen und helfen sollen, die Benutzbarkeit eines Produktes zu schärfen, bevor das Ganze mit passender Typografie, Farben und Bildern versehen wird. Bereits in diesem Stadium lassen sich erste Nutzertests über so genannte Low Fidelity Prototypen abbilden. Das Testen ist ein weiterer Kernaspekt der UX, denn dadurch lernen wir, das Produkt weiter zu verbessern, Missverständnisse in der Nutzung aufzudecken und iterativ eine immer bessere Erfahrung zu formen. Dieser Prozess wird Lean Design genannt, also ein System aus den Prozessschritten Bauen – Messen – Lernen. Diese Weise lässt sich besonders gut in agile Projektstrukturen implementieren.

Mit der Ausarbeitung der Usability entwickelt sich auch die Joy of Use. Hierbei geht es nicht einfach nur platt gesagt um Spaß, vielmehr fokussiert sich diese Komponente darauf, ein Produkt zu entwickeln, welches den Nutzer durch Empathie lösungsorientiert durch die Anwendung führt. Wenn wir allen Mut zusammennehmen und uns – vollkommen frei von dem Wie und Was – fragen, warum wir all dies tun, was unsere Überzeugung ist, dann könnten wir sagen: Erfolgreiches Design trifft den Nutzer ins Herz. Dieser durchaus hohe Anspruch lässt sich auf jeden Fall, jedes Szenario anwenden. Ein Problem, für das der Nutzer ein entsprechendes Tool oder Produkt hat, verliert dadurch einen Großteil seines Einflusses als Problem.

Und was ist jetzt dieses UI?

UX und UI gehen Hand in Hand, unterscheiden sich in ihrer Arbeit und ihrem Zweck allerdings stark. Was haben wir bisher geschafft? Wir haben die Nutzer erforscht und User Stories und die dazu passenden User Journeys definiert, wir kennen die Touchpoints der User, haben eine Architektur erstellt, in der wir die ermittelten Daten verarbeiten, Wireframes gestaltet und testen fortlaufend die entstehenden Prototypen. Hübsch sieht das ganze allerdings noch nicht wirklich aus. Nun kommt der UI Designer ins Spiel: Dem Produkt wird mit ausgearbeitetem Look & Feel ein visuelles Design gegeben. Dazu gehören das Grid, Farben, Typografie und Ikonografie, aber auch Formulardarstellungen, Abstände, Interaktionselemente wie Buttons, Checkboxen usw. oder auch Animationen. Optimalerweise werden diese direkt in einem digitalen Styleguide für alle definierten Breakpoints festgehalten.

Welche Positionen in welcher Anzahl bei der Entwicklung eines Produktes besetzt werden, hängt stark von der individuellen Zusammenstellung des Teams und den Anforderungen des Projekts ab. Kleine Weiterentwicklungsprojekte eines bestehenden Produktes benötigen andere Teamaufstellungen als die Entwicklung einer gänzlich neuen Großplattform. Die Vielzahl der Themengebiete gibt dem klassischen Designer allerdings auch die Möglichkeit, sich selber in einer speziellen Nische zu finden und fokussierter mit den Aufgaben zu arbeiten, für die er brennt. Wie schätzt ihr euch selber sein? Seid ihr UX Generalisten? Oder habt ihr eure Fachrichtung gefunden, für die euer Herz schlägt?